Erfahrungsbericht Joana

Joana
Joana

Work and Travel Australien in Corona-Zeiten:

Diese Reise ist mein Traum und so schnell gebe ich den nicht auf!

Hallo an alle Backpacker oder werdende Backpacker!

Ich bin Joana, 20 Jahre alt und seit dem 5. Dezember 2019 in Australien. Mein erster Monat hier war super. Ich hab’ eine wirklich super Erfahrung in Noosa und auf der Trainingsfarm gehabt. Diese Zeit raubt mir noch jetzt jegliche Worte und auch Silvester in Sydney war unglaublich!

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Auf der Trainingsfarm

Ich möchte ganz ehrlich sein und euch nichts Verblümtes erzählen, deshalb fang’ ich ganz von vorne an:

Bevor ich auf meine jetzige Farm gekommen bin, war ich auf einem Racing Stud, was bedeutet, ich hab’ junge Pferde trainiert und verpflegt, damit sie mit zwei oder drei Jahren verkauft werden können. Ich würde mal sagen, dort wurde mir nicht das nötige Vertrauen entgegengebracht, damit ich richtig einsteigen konnte. Von Beginn an hat mich eine andere Backpackerin nicht gemocht, die schon länger (seit vier Jahren) auf dem Hof war. Sie hat mir jeden nur möglichen Stein in den Weg gelegt und mir damit die Chance genommen, richtig in den Betrieb einzusteigen!

Nachdem ich ihr dann mal die Stirn geboten hatte, hat sie mir nur geantwortet, dass ich meine Sachen packen kann und gehen soll … Ich hatte gehofft, dass mein Chef auf meiner Seite ist, weil ich offensichtlich nicht fair behandelt worden bin (ich sollte einen Berg an Arbeit nach der normalen Arbeitszeit machen), doch leider war er das nicht, und aus dem Affekt heraus habe ich dann einfach gekündigt!

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Auf dem Racing Stud

Dieser Monat dort war für mich echt nicht schön. Ich hatte niemanden, mit dem ich reden konnte, geschweige denn etwas unternehmen. Die Leute von der Farm hatten kein Interesse daran, mit mir was zu unternehmen und sonst haben wir auch nur über die Arbeit geredet. Die Möglichkeit, Leute außerhalb kennenzulernen, war sehr begrenzt, da ich nur einmal in zwei Wochen in die Stadt fahren konnte, um mir Essen zu kaufen. Ich hatte auch kein Auto und die Stadt war mindestens eine Stunde entfernt.

Trotzdem dachte ich mir die ganze Zeit: du wirst das schon irgendwie schaffen und dir damit das Geld für deine Reise verdienen! Ich hatte mein Ziel immer klar vor Augen und deshalb war mir der Rest eigentlich egal. Also könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen, wie aufgelöst ich war, als ich gekündigt hatte und nicht mehr wusste, wohin und wie es jetzt weitergeht. Alle meine Träume waren zerbrochen …

Also hab ich mich bei der Trainingsfarm gemeldet. Für die, die es nicht wissen: die hatten mir den Job vermittelt. An die war ich von Australian Experience (Highschool Australia) sozusagen weitergeleitet worden. Ich war aufgelöst und in Tränen, und mir wurde glücklicherweise sofort geantwortet. Die Leute von der Trainingsfarm waren in jeder Hinsicht für mich da. Sie haben mich erst einmal beruhigt und mir gesagt, dass alles wieder gut wird, und anschließend haben sie mir innerhalb einer Stunde einen neuen Job vermittelt.

Ich hatte wirklich keine Ansprüche, was die Jobwahl betrifft. Ich wollte einfach nur einen Job, der gutes Geld einbringt. Die Jobbeschreibung war kurz: keine Skills erforderlich; ich lebe in einem Haus mit Vater und Sohn (Mutter verstorben); ich werde viel kochen und putzen sowie ein bisschen bei der Farmarbeit helfen.

Es kam ein wenig anders. Aber im Guten :)

Am 17. Februar bin ich in Hughenden (Queensland) angekommen, einer kleinen Stadt 60 km entfernt von der Farm, wo ich hinwollte. Ich war im Großen und Ganzen ein wenig skeptisch. Von wegen Frau alleine auf einer Farm, die zu 80% abgeschnitten ist von der Außenwelt.

Die Farm ist riesig. Wenn man in Deutschland aufwächst, kennt man solche großen Farmen gar nicht. Zu mindestens ging es mir so, und man ist komplett überwältigt davon. 10.000 Hektar Land um zwei mittelgroße Häuser mit ungefähr sieben- bis zehntausend Schafen, ein paar Hundert Ziegen und Kühen sowie fünf Hunden, unzählbar viele Kängurus und ein paar Schlangen, wenn man Pech hat (ich hab’ bis jetzt Bekanntschaft gemacht mit einer Schwarzkopf Python, einer Brown King Snake und ein paar orangenen Schlangen, die ich nicht zuordnen kann. Doch keine der Schlangen wollte mich angreifen oder ähnliches).

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What snake is it ???

Ich lebe hier auf der Farm meistens alleine mit Tom. Er ist mein Chef. Sein Vater wohnt normalerweise in der nahe gelegenen Stadt und kommt nur zu bestimmten Anlässen auf die Farm, weil er schon ein wenig älter ist. In den Ferien ist Toms Sohn auch manchmal hier. Für die ersten drei Monate war ich also die einzige Frau hier auf dem Hof, und ich muss sagen, wider meinen Vorstellungen ist es echt gut gelaufen (keine Anmache oder komische Äußerungen).

Mittlerweile ist noch eine weitere Backpackerin hier auf dem Hof angekommen, worüber ich echt happy bin. Normalerweise lebe ich alleine in dem Haupthaus, wo wir auch essen und waschen. Wenn Toms Vater, andere Backpacker oder Arbeiter hier auf den Hof kommen, leben sie dann mit mir im Haus. Tom und sein Sohn wohnen in dem sogenannten Cottage, ein etwas kleineres Haus die Straße weiter (wenn man das Straße nennen kann).

Meine Hauptaufgabe bestehen aus Kochen, Putzen, Hunde ausführen, Wassertröge saubermachen, die über die ganzen 10.000 Hektar verteilt sind, mich um die Lämmer zu kümmern, die von ihrer Mutter zurückgelassen wurden, Gartenarbeit und natürlich jegliche Arbeit mit den Schafen hier auf der Farm (manchmal kastrieren und markieren oder die Schafe von den Koppeln holen, in der Sheering Zeit beim Scheren mit anpacken). Also wirklich alles von A bis Z.

Die anderen Tiere sind hier zu 99% wild und werden nur wegen des Fleischs gehalten, außer die Hunde natürlich. Der Hauptvertrieb hier auf der Farm ist trotzdem die Wolle der Schafe.

Ich habe einen freien Tag in der Woche, aber das kann hier ziemlich variieren. Mal hab’ ich einen halben Vormittag frei und am nächsten Tag einen halben Nachmittag, oder mal am Sonntag oder am Dienstag. Es kommt ganz darauf an, was gerade so los ist auf der Farm. Wenn ich einen geteilten Tag habe, mache ich meistens nichts Großes. Ich muss auch an meinem freien Tag abends immer kochen, und wenn ich einen ganzen Tag frei habe, dann ist mir die Stadt meistens einfach zu weit weg, um was Größeres zu unternehmen, und ich bin hier alleine. Dann findet man oft nicht die Motivation. Aber Sonnenuntergang anschauen, viel zeichnen/designen, Yoga oder Workouts mache ich dann. Der freie Tag ist immer so was wie ein Spa Tag für mich.

Jetzt, da Corona „da draußen“, wie ich immer so schön sage, tobt, ist die Möglichkeit, Leute kennenzulernen oder in die Stadt zu gehen, gleich null, was vermutlich verständlich ist. Viele meiner Freunde sind schon lange heimgefahren und machen sich Sorgen um mich, da es jetzt ja kein Zurück mehr gibt. Keine Flüge, Ausgangssperre, alle Grenzen sind zu … Aber mir war von Anfang an klar: Ich bleibe hier! Diese Reise ist mein Traum und so schnell werd’ ich den nicht aufgeben!

Es macht mir hier sehr viel Spaß. Die Atmosphäre ist sehr familiär und zu 99% heiter! Auch wenn die Arbeitstage lang sind und mein Rücken und meine Füße manchmal schmerzen, mach ich immer weiter. Es ist toll hier und ich liebe es am Ende des Tages zu sehen, was man getan hat, bei Sonnenuntergang heim zu fahren und ein kühles Getränk zu genießen. Das erfüllt mich unglaublich.

Ich wünsche jedem, der so eine Reise antritt, eine unfassbare Zeit und kann es nur jedem empfehlen!!

Joana hat uns diesen Bericht Ende April 2020 geschickt.

Hier nochmals alle Bilder (zum Vergrößern anklicken):